In den weiteren Schilderungen nahm das Leben von Frau Brinkmeier für mich Konturen an. Eine
aufgeschlossene, freundliche Frau mit guten Kontakten zu Nachbarn und langen Freundschaften mit
ehemaligen Schulkameradinnen, die auch heute noch nicht abgebrochen sind. Sie war Mitglied
im Turnverein und einer Wandergruppe, traf sich regelmäßig zu Kartenspiel und zum Kaffeeklatsch.
Ganz engagiert war sie bei der AWO, organisierte und half bei Seniorennachmittagen und Fahrten, und
unterstützte auch die Helfer beim Roten Kreuz bei Blutspendeterminen. Viel Freude bereiteten ihr
Hobbys wie Handarbeiten und Malen.
Dann bekam Frau Brinkmeier einen Schlaganfall. "Zunächst" sagt Frau Salke, "konnte meine Mutter noch
allein zu Hause bleiben, allerdings brauchte sie Hilfe. Ich ging täglich zu ihr um ihr behilflich
zu. Sporadisch verbrachte sie zwischendurch auch immer einmal 2-3 Wochen bei mir oder meinen
Geschwistern. Dann war meine Mutter gefallen. Das Risiko, sie allein in ihrer Wohnung zu lassen,
war zu groß geworden und wir nahmen sie zu uns. Bei einem Geschäftshaushalt, wie wir ihn hatten, war
die ständige Pflege keine leichte Aufgabe. Mein Mann, meine Geschwister, Nachbarn, alle halfen und
unterstützten mich." Als dann doch mehr fachliche Hilfe gebraucht wurde, bestellte Frau Salke den
Ambulanten Dienst aus dem Stift zu Wüsten. Trotz liebevoller Umsorgung wurde die häusliche Pflege
dann doch zu schwierig.
"Wir konnten uns immer noch nicht vorstellen unsere Mutter in ein Heim zu geben, auch wenn alle
Vernunftgründe dafür sprachen. Immer ist unsere Mutter für uns alle da gewesen. Nun brauchte sie
unsere Hilfe, und die konnten wir ihr nicht geben. So gingen dann mein Bruder und meine Schwester
schweren Herzens, um sich die Pflegeheime in Bad Salzuflen anzusehen. Übereinstimmend kamen sie zu
der Überzeugung, das Stift zu Wüsten sei das richtige." An einem Tag der offenen Tür besichtigten
Familie Salke mit Mutter und Geschwistern das Stift und plötzlich, an der Rezeption, sagte Frau
Brinkmeier ganz fröhlich: "Ich will mich hier anmelden."
"Mit ihr freute ich mich, als sie nach einiger Zeit ein Einzelzimmer bekam. Als ich das vielseitige
Angebot im Stift kennen lernte war mir klar, dass meine Mutter hier vieles miterleben kann, was von
zu Hause aus gar nicht mehr möglich gewesen wäre," bemerkt Frau Salke. "Da sind die regelmäßigen
Gottesdienstbesuche, die Seniorenbegegnungen und Gemeindenachmittage an denen sie teilnehmen kann,
das Gedächtnistraining und die "Plattenkiste". Dort wurde auch schon zu ihrer ganz großen Freude ihr
Lieblingslied "Dein ist mein ganzes Herz" gespielt. Meine Geschwister und ich stellen immer wieder
mit Erstaunen und Freude fest, wie nett und liebevoll die Mitarbeiter aus der Pflege und auch die
"Wohngruppenbegleitung" mit meiner Mutter umgehen. Mit großer Selbstverständlichkeit werden auf ihre
kleinen Belange Rücksicht genommen, so bleibt z.B. die ganze Nacht über das Nachtlicht brennen und
der Rollladen einen Spalt offen, so wie sie es von zu Hause gewohnt war. Ich habe wirklich das
Gefühl, dass meine Mutter sich hier wohl fühlt."
Frau Salke besucht ihre Mutter täglich, sofern es möglich ist. Wenn es das Wetter erlaubt, gehen
sie dann für etwa eine Stunde spazieren, so wie sie es zu Hause auch getan haben. "Der ständige und
intensive Kontakt mit meiner Mutter ist mir ein Herzensbedürfnis. Und wissen Sie," Frau Salke zögert
ein bisschen, "obwohl ich weiß, dass sich meine Mutter hier wohl fühlt und alles für sie getan wird,
bleibt doch in einem Winkel in mir ein klein bisschen schlechtes Gewissen." "Frau Salke," ist meine
Antwort darauf, "das wird Ihnen keiner nehmen können, das zeigt aber auch, dass sie eine gute und
fürsorgliche Tochter sind. Ich wünsche Ihrer Mutter im Stift und Ihnen eine gute Zeit."
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