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Carola Brinkmeier

"Ein bisschen schlechtes Gewissen bleibt."

"Was für strahlende Augen" ist mein erster Eindruck, als ich Frau Brinkmeier begrüße. Die alte Dame sitzt im Rollstuhl und bewohnt ein nettes Einzelzimmer im Pflegeheim. "Meine Mutter kann leider nicht mehr sprechen" klärt mich ihre Tochter auf. Ich spüre die Traurigkeit darüber in ihrer Stimme. Liebevoll streichelt Frau Salke ihre Mutter.

"Ich habe mir früher nie vorstellen können meine Mutter in ein Heim zu geben," fängt Frau Salke an zu erzählen und berichtet mir dann aus ihrem Leben und dem ihrer Mutter. "Sie war uns immer eine ganz fürsorgliche und liebevolle Mutter. Wir hatten ein wunderbares Verhältnis zueinander. Als ich 14 Jahre alt war, starb mein Vater. Mit viel Arbeit und Fleiß gelang es meiner Mutter, mir und meinen drei Geschwistern eine gute Ausbildung zu ermöglichen."

Frau Salke besucht ihre Mutter Frau Brinkmeier täglich im Stift, um sich mit ihr bei ausgedehnten Spaziergängen im Stiftspark zu beschäftigen.

In den weiteren Schilderungen nahm das Leben von Frau Brinkmeier für mich Konturen an. Eine aufgeschlossene, freundliche Frau mit guten Kontakten zu Nachbarn und langen Freundschaften mit ehemaligen Schulkameradinnen, die auch heute noch nicht abgebrochen sind. Sie war Mitglied im Turnverein und einer Wandergruppe, traf sich regelmäßig zu Kartenspiel und zum Kaffeeklatsch. Ganz engagiert war sie bei der AWO, organisierte und half bei Seniorennachmittagen und Fahrten, und unterstützte auch die Helfer beim Roten Kreuz bei Blutspendeterminen. Viel Freude bereiteten ihr Hobbys wie Handarbeiten und Malen.

Dann bekam Frau Brinkmeier einen Schlaganfall. "Zunächst" sagt Frau Salke, "konnte meine Mutter noch allein zu Hause bleiben, allerdings brauchte sie Hilfe. Ich ging täglich zu ihr um ihr behilflich zu. Sporadisch verbrachte sie zwischendurch auch immer einmal 2-3 Wochen bei mir oder meinen Geschwistern. Dann war meine Mutter gefallen. Das Risiko, sie allein in ihrer Wohnung zu lassen, war zu groß geworden und wir nahmen sie zu uns. Bei einem Geschäftshaushalt, wie wir ihn hatten, war die ständige Pflege keine leichte Aufgabe. Mein Mann, meine Geschwister, Nachbarn, alle halfen und unterstützten mich." Als dann doch mehr fachliche Hilfe gebraucht wurde, bestellte Frau Salke den Ambulanten Dienst aus dem Stift zu Wüsten. Trotz liebevoller Umsorgung wurde die häusliche Pflege dann doch zu schwierig.

"Wir konnten uns immer noch nicht vorstellen unsere Mutter in ein Heim zu geben, auch wenn alle Vernunftgründe dafür sprachen. Immer ist unsere Mutter für uns alle da gewesen. Nun brauchte sie unsere Hilfe, und die konnten wir ihr nicht geben. So gingen dann mein Bruder und meine Schwester schweren Herzens, um sich die Pflegeheime in Bad Salzuflen anzusehen. Übereinstimmend kamen sie zu der Überzeugung, das Stift zu Wüsten sei das richtige." An einem Tag der offenen Tür besichtigten Familie Salke mit Mutter und Geschwistern das Stift und plötzlich, an der Rezeption, sagte Frau Brinkmeier ganz fröhlich: "Ich will mich hier anmelden."

"Mit ihr freute ich mich, als sie nach einiger Zeit ein Einzelzimmer bekam. Als ich das vielseitige Angebot im Stift kennen lernte war mir klar, dass meine Mutter hier vieles miterleben kann, was von zu Hause aus gar nicht mehr möglich gewesen wäre," bemerkt Frau Salke. "Da sind die regelmäßigen Gottesdienstbesuche, die Seniorenbegegnungen und Gemeindenachmittage an denen sie teilnehmen kann, das Gedächtnistraining und die "Plattenkiste". Dort wurde auch schon zu ihrer ganz großen Freude ihr Lieblingslied "Dein ist mein ganzes Herz" gespielt. Meine Geschwister und ich stellen immer wieder mit Erstaunen und Freude fest, wie nett und liebevoll die Mitarbeiter aus der Pflege und auch die "Wohngruppenbegleitung" mit meiner Mutter umgehen. Mit großer Selbstverständlichkeit werden auf ihre kleinen Belange Rücksicht genommen, so bleibt z.B. die ganze Nacht über das Nachtlicht brennen und der Rollladen einen Spalt offen, so wie sie es von zu Hause gewohnt war. Ich habe wirklich das Gefühl, dass meine Mutter sich hier wohl fühlt."

Frau Salke besucht ihre Mutter täglich, sofern es möglich ist. Wenn es das Wetter erlaubt, gehen sie dann für etwa eine Stunde spazieren, so wie sie es zu Hause auch getan haben. "Der ständige und intensive Kontakt mit meiner Mutter ist mir ein Herzensbedürfnis. Und wissen Sie," Frau Salke zögert ein bisschen, "obwohl ich weiß, dass sich meine Mutter hier wohl fühlt und alles für sie getan wird, bleibt doch in einem Winkel in mir ein klein bisschen schlechtes Gewissen." "Frau Salke," ist meine Antwort darauf, "das wird Ihnen keiner nehmen können, das zeigt aber auch, dass sie eine gute und fürsorgliche Tochter sind. Ich wünsche Ihrer Mutter im Stift und Ihnen eine gute Zeit."


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